Mut zeigt sich nicht nur im Aufbruch. Er liegt auch im Bleiben, im leisen Aufrichten und in einem Schritt, den niemand sieht.
Die folgenden fünf Texte erzählen von diesem stillen Mut: dem Mut, bei sich zu bleiben, der eigenen Stimme zu folgen und ohne Beifall weiterzugehen.
1
Ich bin nicht hier,
um fremde Formen zu tragen.
Ich bin das Blatt –
grün
aus meinem Frühling.
–
2
Am Rand des Sees
liegt mein Spiegelbild –
wie Mondlicht auf Wasser.
Still erkenne ich:
Ich war schon immer ganz.
–
3
Man reichte mir Glanz.
Doch meine Haut
verlangte nach Wind.
Ich ließ die Stoffe fallen
und blieb.
–
4
Die Stille kam,
als ich mein Lied summte.
Kein Applaus –
nur Wind in den Zweigen,
der flüsterte:
So bist du gemeint.
–
5
Ich bin aus stillem Trotz –
aus Wurzeln,
die leise halten,
und einem Herz,
das sich erinnert:
Ich war genug.
–